Lebenslauf

  • Staatspräsident von Württemberg
  • Ehrenbürger der Stadt Rottenburg am Neckar
  • Namensgeber unserer Schule
  • Geboren in Rottenburg am 15. Dezember 1881
  • Hingerichtet in Berlin Plötzensee am 23. Januar 1945
1881 Am 15. Dezember in Rottenburg am Neckar geboren als 12. Kind des Kaufmannes Joseph Bolz und seiner Ehefrau Maria Theresia geb. Huber. Volksschule und
1890 – 1895 Besuch der Lateinschule (das spätere Eugen-Bolz-Gymnasium) in Rottenburg
1896 – 1900 Karlsgymnasium in Stuttgart
1900 – 1905 Jurastudium in Tübingen, Bonn, Berlin
1905 Erstes Juristisches Staatsexamen, anschließend Tätigkeit beim Amtsgericht Rottenburg
1905 – 1911 Weiterbildung und verschiedene Tätigkeiten
1912 Mitglied des Reichstages
1913 Mitglied des Württembergischen Landtages
1914 Friedensdienst in Ulm
1915 Kriegsdienst
1919 Mitglied der Nationalversammlung in Weimar
1919 – 1923 Württembergischer Justizminister
1920 Heirat mit Maria Hoeneß aus Ulm
1923 – 1933 Württembergischer Innenminister
1928 – 1933 Staatspräsident von Württemberg
1933 Durch die Wahl eines Nationalsozialisten scheidet Eugen Bolz als Staatspräsident aus. bald darauf legt er sein Landtagsmandat nieder. Er gehört dem geschäftsführenden Vorstand der Zentrumspartei an.
1934 Eugen Bolz zeiht sich nach Beuron bei Ulm zurück und beschäftigt sich mit Wirtschaftsfrage, mit Fragen der päpstlichen Sozialenzyklen und mit der Katholischen Aktion und Politik.
1941 Carl Goerdeler nimmt Kontakt mit Eugen Bolz auf und weiht ihn in den Widerstand ein.
1944 Eugen Bolz erklärt sich bereit in einer neuen Reichsregierung das Kultusministerium zu übernehmen. Nach dem Attentat durch Graf Stauffenberg wird Eugen Bolz am 12. 8. verhaftet und nach Berlin überführt. Am 21. 12. 1944 wird er zum Tode verurteilt.
1945 Am 23. 1. 1945 stirbt Eugen Bolz trotz mehrer Gnadengesuche als letzter von 10 Leidensgefährten im Gefängnis Berlin-Plötzensee unter dem Fallbeil.
Das heutige Eugen-Bolz-Gymnasium trägt den Namen seines ehemaligen Schülers, den Namen eines mutigen und aufrechten Staatsmannes, der für seine Zivilcourage das Leben lassen musste, seit dem 15. 06. 1962.
Leben, Widerstand und Tod

Leben, Widerstand und Tod

hergestellt von der Medien-AG des Eugen-Bolz-Gymnasiums, Leitung: Egon Gramer
 

In diesem Haus in Rottenburg in der Königstrasse 52 wurde Eugen Bolz geboren.

Er ist das zwölfte Kind des Kaufmanns Joseph Bolz und seiner Frau Maria Theresia.

Die Bronze-Tafel an der Hauswand erinnert an ihn.

„Eugen Bolz Staatsmann und Bekenner. Ehrenbürger der Stadt Rottenburg am Neckar. Geboren in diesem Haus am 15.Dezember 1881. Hingerichtet in Berlin Plötzensee am 23.Januar 1945.“

Das ist Eugen Bolz im Alter von 47 Jahren, als er Staatspräsident von Württemberg war.
Fünf Jahre lang übte er das höchste Amt im Lande aus, vom Juni 1928 bis März 1933.
Eugen Bolz hat viele politische Ämter bekleidet. 1919, nach dem 1.Weltkrieg, wurde er mit 38 Jahren Justizminister des Landes und arbeitete vier Jahre in diesem Amt.

Sein ganzes Leben setzte er sich für die Demokratie ein.

Die Bürger und Bürgerinnen des Wahlkreises Rottenburg wählten Eugen Bolz zu ihrem Abgeordneten für den Landtag in Stuttgart. Den Wahlkreis Ellwangen/Aalen vertrat Eugen Bolz als Abgeordneter im Reichstag in Berlin.

Ein paar Jahre später. 1933 war das Jahr der Machtergreifung Hitlers.

Eugen Bolz war 51 Jahre alt. Einer aus der Nazi-Partei wurde neuer Staatspräsident von Württemberg. Eugen Bolz sah voraus – einer von wenigen – was kommen würde. In einem Brief an seine Frau schreibt er:   „Man kann sich die innere Entwicklung nicht schlimm genug vorstellen“.

Während der Nazi – Herrschaft kann der ehemalige Staatspräsident nicht mehr politisch tätig sein. Er bleibt in Kontakt mit seinen politischen Freunden, entwirft Programme…


Stuttgart 18. Juni 1933, vor dem Polizeipräsidium, Dorotheengasse 10. Der Pfeil zeigt auf Eugen Bolz.

„Um die Mittagszeit begann sich der Platz vor dem Gebäude mit jungen Leuten, die offenkundig herbeordert waren, und mit nie fehlenden Neugierigen zu füllen. Wohleingeübte Sprechchöre stießen die Rufe aus: »Heraus mit dem Landesverräter«, »Nieder mit dem Landesverräter«, »Landesverräter sollen aufgehängt werden«. Immer mehr Menschen wurden herbeigezogen, so dass auch die anschließenden Plätze dicht gefüllt waren, immer lauter und häufiger wurde das Geschrei, immer stärker die Spannung und Erregung. »Gegen ein Viertel vor 13 Uhr«, berichtet ein Augenzeuge, »öffneten sich plötzlich die Türen des Gebäudes und Bolz erschien auf der Schwelle, hinter ihm SA- und SS-Führer. Festen und ruhigen Blickes überschaute er die Masse auf der Straße. Wie gebannt hielt sie einige Augenblicke inne und selbst die wüstesten Schreier schwiegen. Da stand nun der Mann, den sie als Landesverräter beschimpft hatten, aufrecht und unerschrocken, gleichsam fragend: Was habt ihr gegen mich vorzubringen; Selbst in dieser Stunde imponierte er ihnen noch.« Erst als er das bereitgestellte Polizeiauto bestieg, brach die Furie los. Die Menge drängte mit wüstem Geschrei heran. Einzelne stiegen auf die Trittbretter, schrieen und spuckten den im Wagen sitzenden Altstaatspräsidenten an und schlugen ihn mit Fäusten.

Da die Lage bedrohlich wurde, zog einer der SA-Führer die Pistole und hob sie wie zum Schutz gegen die Angreifer. Die das Auto Umdrängenden wichen zurück und der Wagen konnte anfahren. Während er sich mühsam durch die dichte Menge kämpfte, wurde Bolz mit Pferdemist, faulen Eiern und Kohlestücken beworfen. Die Verfolger ließen erst ab, als der Wagen am Charlottenplatz vorbei in die Planie einbog und Richtung Schlossplatz davonfuhr.“
Am 12. Juli 1933 wird Eugen Bolz entlassen.

Er geht in das Kloster Beuron und lebt von einer kleinen Pension.

Wenig Freunde treffen sich regelmäßig in Stuttgart.  1941 trifft er sich zum erstenmal mit Carl Goerdeler, dem Organisator des Widerstandes. In der Stuttgarter Wohnung von Eugen Bolz. treffen sie sich häufig.

Im Mai 1944 erklärt sich bereit, ein Ministeramt in einer neuen Regierung zu übernehmen.

Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheitert.

Am 12. Aug. 1944 wird Eugen Bolz von der Gestapo verhaftet.

Am 27. Aug. wird er nach Berlin gebracht, dann ins KZ Ravensbrück in Mecklenburg. Er wird verhört und gefoltert.

Am 19. Okt. 1944 können seine Frau und seine Tochter Mechtild ihn besuchen.

In einem Brief an seine Tochter schreibt er:

17. Oktober. Liebe Mechtild! Du bekommst meinen Brief vor der Mutter in die Hand. Darum ein Wort an Dich. Vor allem meinen herzlichen Dank, daß Du so treu und fest zur lieben Mutter und mir hältst. Du durchlebst eine schwere Zeit, vielleicht wird sie noch schwerer. Sie wird Dich ausreifen. Leben und Eigentum gelten nichts mehr. Nur die Seele ist unerreichbar für alle äußeren Mächte. Ihr muss unsere ganze Sorge gelten, damit sie gestärkt und veredelt die ernste Zeit überwindet. Wenn in den kommenden Wochen die Flut der Zerstörung noch ansteigt, so wissen wir doch auch, dass auf Flut Ebbe folgt und auf Zerstörung Aufbau. – Noch etwas. Heute wirst Du erkennen, dass Du Deinen Beruf ausfüllen musst, bis übersichtliche Verhältnisse geschaffen sind. Sorge, dass Du ohne Verzögerung zu einem Abschluss (des medizinischen Studiums) kommst. Das macht Dich frei und gibt Dir Lebenskraft … Ich bemühe mich, in meiner einsamen Zelle eine gleichmäßige Stimmung zu halten, wenn es auch manchmal schwer ist. Gesundheitlich geht es mir gut. Die Herzbeschwerden haben nachgelassen. Meine Gedanken sind viel bei Euch.

Ein Augenzeuge berichtet vom Prozess:“Leicht gebeugt steht der hochgewachsene ehemalige württembergische Staatspräsident Eugen Bolz vor seinen Richtern. Man sieht dieser weißhaarigen, ehrwürdigen Persönlichkeit keinerlei Erregung an. Leise, aber wohlüberlegt antwortet er ohne Stocken auf die oft gehässigen Fragen Freislers. Ruhig und nicht ohne Stolz schildert er seine Laufbahn vom Amtsrichter zum Präsidenten seiner württembergischen Heimat.

Selbst der kaltschnäuzige Freisler kann sich dem Eindruck dieser starken Persönlichkeit nicht entziehen.

Ein wahrer Edelmann wirkt gerade auf Henkernaturen durch stolze Ruhe.“

Am 23. Januar stirbt Eugen Bolz unter dem Fallbeil im Gefängnis Berlin-Plötzensee.

Ein Denkmal am Königsbau in Stuttgart, im Zentrum der Stadt, erinnert an sein Wirken und Schicksal.

Gedenktag 2017

Der Historiker Wolfgang Benz sprach bei der Gedenkveranstaltung für Eugen Bolz in der Zehntscheuer.

Am 23. Januar 2017, dem 72. Todestag Eugen Bolz‘, hielt der renommierte Antisemitismusforscher Prof. Wolfgang Benz einen Vortrag zur Gefährdung der Demokratie durch Rechtspopulismus.

Prof. Benz war über eine Kooperation mit dem Verein „Gegen Vergessen“ gewonnen worden.

In seinem scharfsinnigen Vortrag analysierte der Wissenschaftler vornehmlich Aussagen von AfD-Politikern und bot Vergleiche mit antisemitischen wie auch völkischen Stereotypen der Nazi-Ideologie. Ferner zeigte er Parallelen zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus auf und betonte, dass es ohne Aufklärung nicht gehe.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von einem Querflötentrio – Linda Koch und Sophie Bachteler vom EBG sowie Hannah Steif von St. Klara. Unterstützt wurde das Trio von Susanne Moll-Fretschner.

Die Klasse 9a hatte im Vorfeld unter anderem Plakate zu Eugen Bolz‘ Leben und Wirken gestaltet. Diese wurden in der Zehntscheuer ausgestellt. Die Veranstaltung war von Michael Pingler federführend organisiert worden.

Fotos und Text: Sylvia Kröger, Feb. 2017

Eugen-Bolz-Preis für Angela Merkel

Tête-à-tête mit der Bundeskanzlerin

Dr. Angela Merkel erhielt im Neuen Schloss in Stuttgart den Eugen-Bolz-Preis

Eine kleine EBG-Delegation durfte am 1. Februar 2017 dem Moment beiwohnen, als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Marmorsaal des Stuttgarter Neuen Schlosses mit dem Eugen-Bolz-Preis ausgezeichnet wurde. Sie genoss die besinnliche Stunde sichtlich und bedankte sich fast schon ein wenig schüchtern für das Wohlwollen und die Zuneigung, die ihr in den verschiedenen Reden entgegengebracht wurde. Zweifelsohne wird der Nachmittag in Stuttgart für sie eine Insel der Erholung gewesen sein, traf sie sich am Tag darauf doch mit Erdogan in Ankara.

Nachdem ein Bläserquintett der Stadtkapelle Rottenburg e.V. die Feierstunde eröffnet hatte, würdigte der Oberbürgermeister und Vorsitzende des Stiftungsrats der Eugen-Bolz-Stiftung Stephan Neher das Wirken Merkels, die mit großem Engagement für die humanitären und christlichen Werte der Europäischen Union eintrete.
Auf die überaus wertschätzende Rede des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und das Grußwort Bischof Dr. Gebhard Fürsts folgte die inhaltlich und rhetorisch brillante Laudatio von Reinhard Kardinal Marx. Die Bundeskanzlerin lebe einen unaufdringlichen christlichen Glauben, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Marx betonte, dass Merkel mit der Aufnahme der Flüchtlinge in kritischer Zeit „ein Beispiel christlicher Nächstenliebe gegeben“ habe.

Der Preisübergabe durch Stephan Neher folgte die Dankesrede Merkels, in der sie Eugen Bolz und Europa gedanklich zusammenführte. Sie betonte, dass ein einiges Europa die beste Versicherung gegen Kriege sei.

Drei ehemalige Preisträger hatten es sich nicht nehmen lassen, nach Stuttgart zu kommen: der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sowie der langjährige Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Robert Antretter.

Beim anschließenden Empfang der Landesregierung parlierte die Kanzlerin mit den Schülern der verschiedenen Eugen-Bolz-Schulen, verließ das Neue Schloss aber recht schnell, um zum nächsten Termin zu eilen.

Fotos und Text: Sylvia Kröger, Feb. 2017