Profunder Vortrag von Prof. Dr. Martin Hautzinger über Ängste und Depressionen im Kindes- und Jugendalter

Welcher Lehrer hat sie nicht gern – die ruhigen Schülerinnen und Schüler, die nie den Unterricht stören und brav an ihren Plätzen sitzen? Dass gerade sie unter Umständen ein schweres Päckchen mit sich herumtragen könnten, erfuhren die knapp 100 Zuhörerinnen und Zuhörer des äußerst profunden Vortrags von Prof. Dr. Martin Hautzinger, welcher Ende November in der Mediothek des Eugen-Bolz-Gymnasiums stattfand und von der VHS Rottenburg organisiert worden war.

Prof. Hautzinger, der seit 23 Jahren den Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Universität Tübingen innehat, zeigte auf sehr eindrückliche Weise, welches „Gefühlskarussell“ Ängste und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen auslösen. Wie der Referent betonte, sei Angst ein normales Gefühl, allerdings könne sie, wenn mehrere Faktoren zusammenspielen würden, den Alltag aus der Bahn geraten lassen. Angst äußere sich – je nach Alter – auf unterschiedliche Weise.

Hautzinger erklärte, dass Depressionen nicht leicht zu erkennen seien und bereits bei Kindergartenkindern auftreten könnten. Er zählte die drei Kernsymptome von Depressionen (Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Energielosigkeit) auf und erklärte, dass diese in Kombination mit diversen Zusatzsymptomen und der Häufigkeit bzw. Dauer ihres Auftretens einen Hinweis geben könnten, ob eine Depression vorliege oder nicht.

Hautzinger sagte, dass es in der Hochschulambulanz Tübingen etliche Patienten gebe. Vielen könne man schon dadurch helfen, dass man ihnen zeige, wie man die eigenen Wahrnehmung verändern und die eigenen Gefühle beeinflussen könne. Inzwischen gebe es auch Youtube-Filmchen sowie Spiele, die ähnlich wirksam seinen wie ein Besuch beim Psychotherapeuten.

Hautzinger stellte ferner das für die Schule geeignete und vom Kultusministerium unterstütze Präventionsprogramm „Lars und Lisa“ vor, das er mit seinem Team entwickelt hat.

Der EBG-Schulleiter Dr. Andreas Greis erklärte den Anwesenden, dass das Eugen-Bolz-Gymnasiums mit SoLe (= Soziales Lernen) in diesem Bereich schon seit vielen Jahren einen Schwerpunkt setze.

Im Anschluss an den Vortrag konnte das Auditorium mit dem Referenten ins Gespräch kommen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, was passiere, wenn ein depressives Kind sich nicht helfen lassen wolle. Es wurden aber nicht nur Fragen gestellt. Prof. Hautzinger wurde für seinen tiefgründigen Vortrag auch ausdrücklich gelobt und erhielt lang anhaltenden Applaus.